Startseite / Train Simulator / [Review] Bernina Line: Poschiavo – Tirano

[Review] Bernina Line: Poschiavo – Tirano

Heute hat Rivet Games mit dem südlichen Teil der Berninabahn von Poschiavo nach Tirano ein neues Add-On für den Train Simulator 2020 veröffentlicht. News-Autor ‚blk11‘ hatte die Gelegenheit, das Add-On zu testen.


Einer der bekanntesten Eisenbahn-Bauwerke ist das Kreisviadukt von Brusio. (Alle Screenshots in diesem Artikel stammen vom Autor, wenn nicht anders angegeben)

Inhalt

Das Add-On beinhaltet den südlichen Teil der Berninabahn von Poschiavo im Puschlav ganz im Süden des schweizer Kantons Graubünden nach Tirano in Italien. Außerdem ist noch ein kleines Stück der Strecke nördlich von Poschiavo, bis Cadera, enthalten.

Markenzeichen dieses Streckenabschnitts sind die Trassierung am Westufer des Lago di Poschiavo, das Kreisviadukt von Brusio und die zahlreichen Ortsdurchfahrten wie in Le Prese und Tirano.

Zum mitgelieferten Rollmaterial gehört der Triebwagen der Baureihe ABe 8/12 ‚Allegra‘, Panoramawagen des Bernina-Express sowie Güterwaggons, jeweils für den Transport von Waren in Containern, Holz und Heizöl.

Zum Fahren laden ein Tutorial für den ‚Allegra‘ sowie vier Szenarien mit selbigem Triebzug ein. Außerdem mit dabei ist ein Szenario zum Mitfahren als Fahrgast und, natürlich, besteht Kompatibilität zum Schnellen Spiel (QuickDrive).


Die Hauptstraße im Ort Le Prese – diese Art der Ortsdurchfahrten ist typisch für den Südteil der Berninabahn.

Strecke

Die Umsetzung der Szenerie im Tal, durch das die Strecke verläuft, ist enorm detailliert. Das beginnt bei der Vegetation und setzt sich fort bei der Ausgestaltung der Ortschaften. Auch die Gebäude – vor allem jene, die man in den Ortsdurchfahrten aus nächster Nähe zu sehen bekommt – sind sehr schön modelliert und texturiert worden. Alles in allem ist der Wiedererkennungswert ziemlich hoch.

Der Detailgrad lässt allerdings spürbar nach, wenn man von Poschiavo in Richtung Norden fährt. Dieses Teilstück ist bereits in einem anderen Add-On für den Train Simulator enthalten gewesen (‚Bernina-Pass‘) und es sieht so aus, als hätte man hier nichts verändert.

Was leider aufgrund der Grenzen, die einem der Train Simulator setzt, nur schwer zu vermeiden ist, sind Berge, die auch in der Höhe, in der man nur blanken Fels sehen würde, unscharf dargestellt werden. Von daher möchte ich an dieser Stelle lediglich kritisieren, dass man nicht mit verschiedenen Grautönen (für Fels) gearbeitet hat, um die Berge etwas realistischer darzustellen.


In den Straßen von Tirano befindet sich ein Leerzug auf dem Weg in Richtung Norden, im Hintergrund ragt der Turm der Basilika di Madonna Tirano gen Himmel.

Bahntechnik

Der Gleisbau ist weitestgehend sehr gut gemacht, vor allem, wenn man bedenkt, welche Grenzen es im Train Simulator gibt, wenn es um scharfe Kurven und extreme Steigungen geht. Einziger Kritikpunkt hier ist, dass um Tirano herum eine geringe Anzahl an Kurven ohne spürbare Übergangsbögen verlegt worden sind.

Eine Spezialität der Berninabahn sind ihre Lichtsignale, Stichwort Gruppenausfahrsignal. Diese wurden gemäß der Realität umgesetzt und funktionieren sehr gut, insgesamt ist die Signalisierung der Strecke gut gemacht worden.

Die Oberleitungen und die Masten, an denen der Draht hängt, sind wie gewohnt ebenfalls mit viel Detailreichtum umgesetzt worden.


Zwischen den Stationen Li Curt und Miralago führt die Strecke entlang des Lago di Poschiavo.

Rollmaterial

Beim Rollmaterial liegt der große Schwachpunkt dieses Add-Ons, jedoch nicht bei dessen Optik – denn sowohl Triebzug als auch Wagen sehen wunderbar aus!

Die umgesetzte Fahrphysik des ‚Allegra‘-Triebzuges lässt nicht wirklich die Masse des Fahrzeuges erahnen, was daran liegt, dass die elektrische Bremse in der Umsetzung für den Train Simulator nicht wirklich als solche funktioniert (so wird zum Beispiel die Luftbremse nicht benötigt, um den Zug zum Stehen zu bringen, was physikalisch gar nicht möglich sein dürfte). Außerdem kann beobachtet werden, dass der Tempomat die Leistung bei Erreichen der voreingestellten Geschwindigkeit abrupt fast vollständig abschaltet und dann wieder aufschaltet – immer im Wechsel, was ein sanftes Halten der Geschwindigkeit mit dem Tempomat fast unmöglich macht.

Die Sounds sowohl für den Triebzug als auch für die Wagen sind zwar relativ realistisch, doch weiß man beim Fahren des ‚Allegra‘-Triebzuges manchmal nicht, ob nun Leistung aufgeschaltet ist oder nicht – denn bei niedrigen Geschwindigkeiten klingt es immer so, als wäre Leistung aufgeschaltet. Das irritiert leider sehr.


Im Führerstand des ABe 8/12 ‚Allegra‘.

Szenarien

Neben einem Tutorial für den enthaltenen Triebzug gibt es vier Szenarien, in drei davon fährt man nordwärts, in einem südwärts.

Bis auf ein Szenario, in dem man unterwegs noch Güterwaggons anhängt, bevor man seine Fahrt fortsetzt, sind die Szenarien simpel gehalten und wirklich Abwechslung ist leider nicht vorhanden – schade!


Der Bernina-Express in Richtung Chur wartet an einem kalten Wintertag in Tirano auf seine Abfahrtszeit.

Fazit

Die Umsetzung des südlichen Teils der Berninabahn ist sehr gut gelungen und für das Auge werden viele Details bereitgehalten. Auch technisch ist die Strecke gut umgesetzt worden. Leider weiß das fahrbare Rollmaterial, der ‚Allegra‘-Triebzug, nur optisch zu gefallen, jedoch liegen im Sound und in der Physik des Fahrzeugs deutliche Schwachpunkte.

Auf einer Skala von 1 (niedrigste) bis 10 (höchste) vergebe ich 6,5 von 10 Punkten.

Positiv:

  • Detaillierte Szenerie (Vegetation, Ortschaften, Bahnhöfe)
  • Modellierung und Texturierung der Gebäude entlang der Ortsdurchfahrten hervorragend
  • Umsetzung von Signalsystem und Oberleitung
  • Optik des mitgelieferten Rollmaterials
Mittelmäßig:

  • Gleisbau (Stichwort Übergangsbögen im Bereich Tirano)
  • Texturen der Berge in weiter Entfernung (‚Distant Terrain‘, zu wenig Fels zu sehen)
Negativ:

  • Fahrphysik und Sound des ‚Allegra‘-Triebzuges
  • Szenarien: funktionieren zwar problemlos, sind aber wenig detailliert

Letzter Zwischenhalt vor Tirano und gleichzeitig letzter Bahnhof in der Schweiz ist Campocologno.

Link zum Shop

Bildquelle: Steam-Shop

Das Add-On kostet zum Normalpreis 24,99 €. Bis zum 5. Dezember 2019 kann das Add-On für 19,99 € erworben werden.


Weitere Links auf rail-sim.de

Auch interessant

[Preview] Hausach-Villingen

Bald erscheint die von Train Sim Germany gebaute Erweiterung Hausach-Villingen für die Konstanz-Villingen-Strecke. JTG gab uns …

[Review] Gotthardbahn: Erstfeld – Bellinzona

Vor nicht allzu langer Zeit erschien vom britischen Hersteller „Rivet Games“ die Strecke Gotthardbahn: Erstfeld – …