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[Review] Suburban Glasgow Northwest: Springburn – Helensburgh Add-On

Vor einigen Wochen veröffentlichte Rivet Games das Add-On ‘Suburban Glasgow Northwest: Springburn – Helensburgh’. Die News-Autoren ‘blk11’ und ‘fizzbin’ haben sich das Add-On genau angesehen.


Die enthaltenen Strecken. (Alle Bilder in diesem Artikel stammen von den beiden Autoren, sofern nicht anders angegeben)


Inhalt

Das Add-On enthält den nordwestlichen Teil der North Clyde Line, einer der Hauptstrecken der Pendlerbahnen („S-Bahn“) der schottischen Metropolregion Glasgow. Die Infrastruktur und Umgebung ist auf dem ungefähren Stand von 2013 abgebildet.

Die Strecke reicht von Springburn im Nordosten über Bellgrove (nahe der Innenstadt), Glasgow Queen Street (untere Ebene) und Partick wahlweise über Yoker oder über Singer nach Dalmuir. Von dort aus geht es entlang des Flusses weiter über Dumbarton nach Helensburgh Central. Die Streckenäste nach Milngavie und Balloch sind ebenso enthalten wie auch die Station Helensburgh Upper am Beginn der West Highland Line. Abgerundet wird das Netz durch die nicht elektrifizierte Marryhill Line, die den Norden Glasgows durchquert und im Kopfbahnhof Glasgow Queen Street (obere Ebene) endet.

Im Addon sind zwei fahrbare Züge enthalten, die Class 320 (ein dreiteiliger, elektrischer Triebzug der zusammen mit anderen Baureihen auf allen elektrifizierten Strecken der Glasgower „S-Bahn“ eingesetzt wird) und die Class 158 (ein Dieseltriebzug, der in Schottland in der kurzen, zweiteiligen Konfiguration im Einsatz ist und alle Rollen des Personenverkehrs übernehmen kann). Letztere ist bereits aus dem Fife Circle Add-On bekannt. Beide Züge werden im modernisierten Zustand mit der aktuellen, dunkelblauen ScotRail-Lackierung mitgeliefert.

Darüber hinaus enthalten sind sechs Karriereszenarien sowie das obligatorische Quick Drive zum freien Erkunden der Strecken.

Erwähnenswert ist außerdem, dass dieses Netz von Strecken ursprünglich als Freeware veröffentlicht wurde. Rivet Games steuerte einige eigens angefertigte Objekte für die Überarbeitung bei, außerdem wurden Oberleitung und Teile der Gestaltung für die Payware-Version überarbeitet.


Die Strecken des Add-Ons beginnen im Zentrum Glasgows, der größten Stadt Schottlands …
… und führt uns entlang des Flusses Clyde nach Westen, in ländlichere Gebiete …
… bis nach Helensburgh.

Gestaltung der Strecke

Auch wenn die Anzahl an neuen Objekten nicht so hoch ist und viele bereits oft gesehene, generische Gebäude an der Strecke stehen, wirkt die Gestaltung von Glasgow und Umgebung stimmig. Die Bebauung erstreckt sich weitläufig von den Gleisen weg und aus dem Führerstand ist der Detailgrad /[durchaus ausreichend]/.

Erfreulich ist auch, dass durch Rivet Games ein paar Überarbeitungen beziehungsweise Ergänzungen durchgeführt wurden. Darunter zum Beispiel das SSE Hydro, das Scottish Exhibition Centre und die unterirdischen Stationen Queen Street Low Level und Charing Cross. Die Stationen wurden außerdem mit individuellen Zugängen zu den Bahnsteigen versehen, ein Detail, das auch nicht unbedingt selbstverständlich ist.

Die Vegetation wurde stimmig platziert und die Gräser entlang der Strecke wirken ganz hübsch. Insgesamt wäre aber eine frischere Vegetation mit neuen Objekten (wie sie bereits in anderen Produkten eingesetzt wurde) wünschenswert gewesen.

Hier zeigt sich auch die [größte] Schwäche des Addon. Im Wesentlichen findet man hier noch viele ältere Objekte vor, die teilweise eine unscharfe Textur haben. Neben Gebäuden und der erwähnten Vegetation wirken auch viele Bahnstationen noch etwas aus dem Baukasten. Aus heutiger Sicht nicht mehr ganz zeitgemäß.

An einigen Stellen hätte zudem etwas mehr Detailarbeit nicht geschadet: so fiel bei der Testfahrt insbesondere die nähere Umgebung des SSE Hydro am Exhibition Centre auf. Eine größere leere Fläche die z.B. noch etwas mehr mit Parkplätzen und parkenden Autos hätte ausgestaltet werden können. Auch der Uferbereich des [Flusses Clyde] ist etwas spärlich gehalten. Ein paar in der Nähe befindlichen Brücken (Millenium Bridge) sind ebenfalls nicht enthalten.

Der größte Nachteil dürfte aber die spärliche Nachtbeleuchtung sein. Zu wenige Straßenzüge sind beleuchtet. So ist die Metropole Glasgow nachts doch sehr in Dunkelheit gehüllt.


Die Gestaltung der Szenerie reicht bis in weite Ferne, wie hier in der Ortschaft Renton
Blick auf die Hügel des Glasgower Nordens in Maryhill
Entlang der Strecken durch die Vororte finden sich viele Gärten
An der Station Springburn
Detailreiche Umsetzung der Stationen und der Zugänge zum Bahnsteig, hier zu sehen in Kelvindale
Die Umsetzung der Station Dumbarten Central ist jedoch weniger gelungen, hier scheint ein Abgang zu fehlen.

Bahntechnik

Der Gleisbau ist sehr gut gelungen, berücksichtigt man das Alter der ursprünglichen Freeware-Strecke. So wurden bspw. bereits an vielen Stellen Übergangsbögen mit Kurvenüberhöhung implementiert. Der Übergang in die Überhöhung ist jedoch teilweise relativ kurz; im Vergleich mit anderen Strecken aber durchaus noch akzeptabel. Außerdem sind alle Steigungsübergänge sauber ausgerundet.

Nicht schön anzusehen ist leider die Textur von Gleisen und Gleisbett. Hier wäre ein Austausch durch zeitgemäße Modelle, wie sie z.B. auch auf anderen Strecken von Rivet Games vorzufinden sind, wünschenswert.

Die Signalisierung ist nach bisherigen Fahrten fehlerfrei, ebenso das eingesetzte AWS System. Das TPWS-System wird ebenfalls simuliert und verhindert vorbildgerecht die zu schnelle Annäherung an Halt zeigende Signale und Prellböcke. Der Erwerb von Streckenkenntnis sei aber dringend empfohlen, um das Geschwindigkeitsprofil der Strecke zu meistern – wie auch beim Vorbild sind nämlich nicht alle Geschwindigkeitsbeschränkungen ausgeschildert!

Zu erwähnen sei noch das überarbeitete Oberleitungssystem, welches sehr gut aussieht.


Das Exhibition Centre am Fluss bei Tag …
… und nach Sonnenuntergang.

Rollmaterial: Class 320

Die Umsetzung im Train Simulator ist leider nicht gelungen. Das Modell wirkt, auch aufgrund der verwendeten Texturen, an einigen Stellen sehr künstlich. Die Geräuschkulisse liefert nur ein ungefähres Abbild des realen Vorbilds – hier kamen leider überwiegend Tonaufnahmen zum Einsatz, die bereits bei wesentlichen älteren Add-Ons verwendet wurden. /[Darüber hinaus sorgt die Tatsache, dass im Spiel die Motoren auch dann hörbar sind, wenn keine Leistung aufgeschaltet ist, für einen schlechten Eindruck]/.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Fahrphysik. Das Fahrzeug beschleunigt und bremst zu stark. Außerdem ist die Bedienung von Fahrschalter und Bremshebel etwas umständlich, da sich die Hebel nur langsam bewegen und viel zu schwerfällig wirken.

Die Darstellung des Einmannbetriebs – wie auf der North Clyde Line üblich – fehlt. Das Schließen der Türen übernimmt ein Zugbegleiter, der anschließend den Abfahrauftrag erteilt. Hier wäre eine vereinfachte Umsetzung von „Driver Only Operation“ möglich gewesen, bei dem der Spieler selbst für das Schließen der Türen verantwortlich ist.


Ein Triebzug der Class 320 verlässt die Station Clydebank
Im Fahrgastraum der Class 320.

Rollmaterial: Class 158

Leider ist auch die Umsetzung dieses Fahrzeugs nicht gelungen. Das Modell wirkt zwar ansehnlich, jedoch ist auch hier die Geräuschkulisse nicht gut umgesetzt – dies ist vor allem am Sound der Dieselmotoren zu hören, hier sind nämlich die falschen Motoren „eingebaut“ worden.

Die Fahrphysik ist passabel, bei der Programmierung der Bremsen jedoch ist ein Fehler unterlaufen: in der Bremsstufe “Full Service” wird genauso stark gebremst, wie auf der nächst-niedrigen Bremsstufe „Step 2“ – das sollte so nicht sein.


Triebzug der Class 158 in Anniesland
Im Führerstand der Class 158 …
… und im Fahrgastraum.

Szenarien

Wie von den meisten Payware-Strecken gewohnt finden sich auch hier wieder QuickDrives. Wer nur die Strecke erkunden möchte, hat hier die Gelegenheit dies von unterschiedlichen Startpunkten aus und auf verschiedenen Wegen zu tun.

Wer etwas mehr „Herausforderung“ möchte, dem bieten sich hier sechs klassische Karriereszenarien vom Schwierigkeitsgrad einfach bis schwer. Die Gesamtdauer der Karriereszenarien beläuft sich in etwa auf kurzweilige [viereinhalb Stunden – hier wären mehr Szenarien wünschenswert gewesen].

Leider sind die Szenarien (bis auf eine Ausnahme) vom Alltag auf den Strecken geprägt – hier wäre etwas mehr Variation möglich gewesen, z.B. Bauarbeiten und Leerfahrten bei Tagesanfang und -ende.

Bei den Szenarien zeigt sich auch, dass der Umfang der Strecke etwas enttäuscht. Airdrie, eine Endstation im Osten der Region Glasgow, an der die meisten Züge auf der North Clyde Line vorbeikommen oder enden, fehlt. So beginnen und enden einige Fahrten, die man auf den nachgebildeten Strecken unternehmen kann, sozusagen “mittendrin”.


In Glasgow regnet es gern.
Diese Blumenkästen findet man an vielen schottischen Stationen
Glasgow Queen Street, einer der beiden großen Endbahnhöfe der Stadt. Hier die obere Ebene, für Regional- und Fernzüge
Glasgow Queen Street Low Level – hier halten die Züge der North Clyde Line

Bewertung und Fazit

Potenzial: Auswahl, Streckenlänge, Möglichkeiten

+ Streckennetz mit vielen Möglichkeiten

+ Abwechslungsreich

– Strecke nach Osten bis Airdrie fehlt

7 / 10 Punkten
Gestaltung

+ Hoher Wiedererkennungswert

+ Hoher Detailgrad

~ Verwendung vieler älterer Objekte

~ Vegetation hätte von neueren Objekten profitiert

– Beleuchtung nachts ungenügend

5 bis 6 / 10 Punkten
Bahntechnik

+ Signalisierung und Beschilderung gut gelungen

+ TPWS wird simuliert

~ Übergangsbögen teilweise zu kurz

– Gleise: Modell und Textur altbacken

7 bis 8 / 10 Punkten
Rollmaterial

– Umsetzung jeweils ungenügend

2 bis 4 / 10 Punkten
Szenarien

+ Handwerklich gut gemachte Szenarien

~ Etwas wenig Abwechslung: zu viel Alltag

– Nur wenige Szenarien enthalten

6 / 10 Punkten

Für dieses Add-On vergeben wir 5,5 bis 6 von 10 Punkten.

Fazit

Geboten wird ein Streckennetz mit vielen Möglichkeiten, dessen Potenzial in mancher Hinsicht nicht ganz ausgeschöpft werden kann. Einer detailreichen und äußerst realistischen Ausgestaltung, präziser Umsetzung der Strecke und großem Fahrspaß stehen wenige neue Objekte und eine unzureichende Nachtbeleuchtung gegenüber, während beim beigelegten Rollmaterial dringend Fehlerkorrekturen nötig sind. Das mag abschreckend klingen, jedoch sei das Add-On all jenen empfohlen, die etwas mit schottischen Strecken und/oder Eisenbahn im städtischen Raum anfangen können. (‘blk11’)

Trotz einiger genannter negativer Aspekte gehört dieses Addon zu jenen, die dennoch irgendwie Spass machen. Nicht zuletzt auch aufgrund der interessanten Streckenführung, der Mischung aus Stadt und Land, sowie der vielfältigen Möglichkeiten für künftige Szenarien. In einigen Punkten besteht dennoch Bedarf für Nachbesserungen. Letzendlich dürfte das Addon aber für all die Spieler, die gerne im Nahverkehr unterwegs sind, eine Überlegung wert sein. (‘fizzbin’)


Im bewegten Bild

Zusätzlich zu den Screenshots weiter oben haben wir zwei Fahrten im bewegten Bild festgehalten.


Zum Shop

Bildquelle: Steam-Shop

Das Add-On kostet zum Normalpreis 29,99 €, das Bundle mit vier zusätzlichen Szenarien 34,18 €.


Auf rail-sim.de

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