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[Rail-Sim.de-Talk] Bahnjan/virtualTracks im Interview

Wir wünschen Euch und Euren Liebsten ein gesegnetes Weihnachtsfest und frohe Festtage. Unser heutiger Gast im Rail-Sim.de-Talk ist Bahnjan von virtualTracks – unser Weihnachtsgeschenk an Euch! Lest hier nach, was er auf unsere und Eure Fragen antwortet.

Die Antworten von Bahnjan findet Ihr in kursiv geschrieben unter unseren und euren fett geschriebenen Fragen.

 

Unser allgemeiner Fragenkatalog

Wer bist du?
Ich heiße Jan Bleiß, bin 61 Jahre alt, wurde in Berlin-Kaulsdorf geboren und bin in Berlin-Köpenick
aufgewachsen. Ich habe in Berlin Abitur gemacht und studiert und bin Diplom-Ingenieur für
Elektroniktechnologie. Ich lebe seit 1998 in Wandlitz, Ortsteil Schönwalde (Barnim) und bin tätig als
freiberuflicher Softwareentwickler.
Gefragt nach Hobbies: Hobby, was ist das? Mich füllt meine Arbeit aus, ich mache sie gerne, da
brauche ich zum Ausgleich keine Hobbies. Im Sommer gehe ich gerne in den Garten, um körperliche
Arbeit als Gegenstück zum Herumsitzen im Büro zu haben. Ich höre gerne Musik aller Art. Und ich
habe eine Familie, die ich liebe, da ist weder Platz noch Bedarf für ein Hobby.
In drei Worten mich beschreiben? Ich arbeite zu viel, hänge mich oft an Details auf und vergesse
darüber andere Sachen, die auch und manchmal viel wichtiger sind.

Wie lange bist du schon Payware-Entwickler? Was macht dich aus?
Meine erste Payware war 1994 eine Flugplatzszenerie für den FS4 von Microsoft, die den Flugplatz
Schönhagen (EDAZ) darstellte. Schon immer war mein Wunsch, die Dinge so zu bauen, dass man sie
wiedererkennt. Dass man in meine Landschaften kommt und sagt: „ah, kenne ich, da war ich schon
mal.“ Inzwischen ist natürlich viel mehr dazu gekommen. Was Eisenbahn betrifft, so sollte
weitestgehend alles stimmen, Signale, Signalstandorte, Sicherungstechnik. Klappt leider nicht immer,
aber zumindest ist es das Ziel.

Welche Lok / welche Strecke fährst du im TS am liebsten?
Strecken eigentlich immer die, die ich grad fertig habe. Manchmal auch andere, wenn ich da schon
mal war und es dort schön fand und die Strecke gelungen umgesetzt ist. Zum Glück gibt es die
Kollegen aus der Freewareszene, die viel Zeit investieren, die aus manch marginal geratenem
kommerziellem Werk erst eine schöne Simulation machen. So freue ich mich irgendwann auf
Frankfurt – Koblenz. Loks? Alles was alt und elektrisch ist. Wo es brummt, Schütze knallen,
Steuerungen klappern und Bremsen zischen. Und vor allem, wo das Bremsen kein Kinderspiel ist. Das
ist für mich Eisenbahn. Hängt wohl auch mit meinem Alter zusammen. Ist was Anderes als Hebel vor
und los.

Beschreibe den TS in 3 Worten
Eine alte, nicht zu Ende programmierte Software. (sind leider 7 Worte) Die aber hoffentlich noch eine
Weile lebt, weil sie eine Nische bedient, für die es nur wenige Hersteller gibt, die es schaffen,
respektable Stückzahlen zu generieren. Nur so lohnt es sich, viel Zeit in aufwändige Add-ons zu
investieren.

Was hat dich dazu motiviert, Strecken zu bauen? Welche Hürden gab / gibt es da?
Was macht dir am meisten Spaß?
Ich stand 2003 im Herbst vor dem leeren Keller unseres Wohnhauses. Ein Wasserschaden im
Frühjahr hatte ihn geleert. Da stand meine alte Modellbahnkiste in der frisch renovierten Ecke und
schaute mich fragend an und ich dachte: Soviel Platz wirst du hier nie wieder haben. Also habe ich
ein kleines Projekt gemacht, aufgemalt, geplant und weil ich als Kaufmann gewöhnt bin
nachzurechnen, habe ich gerechnet, was das Projekt kosten würde. Ich hätte von dem Geld auch eine
Weltreise mit dem Schiff machen können. Da habe ich mich nach Alternativen umgesehen und bin
beim MSTS gelandet. Ich hatte nun jede Menge Platz, konnte mir benötigtes Material selber bauen –
das 3D-Tool war damals dasselbe wie für den Flugsimulator: das Train Simulator Design Studio.
Größte Hürde ist, dass man ein Vielfaches an Zeit zur Verfügung haben möchte. Oftmals ist man
gezwungen, Kompromisse zu machen, weil die Zeit nicht reicht. Länger als zwei Jahre darf ein
Streckenprojekt nicht dauern, wenn es sich lohnen soll. Also muss man hier und da etwas weglassen,
was man sicher gerne hingemacht hätte.
Am meisten Spaß macht mir, dass Streckenbau abwechslungsreich ist, heute Häuschen bauen,
morgen Vegetation pflanzen, übermorgen Signale hinstellen. Und ständig was Neues lernen. Es ist
alles andere als eintönig und manche 3D-Arbeiten sind richtige Herausforderungen. Und wenn dann
am Ende was Fertiges dasteht und die Gemeinschaft der Nutzer es annimmt und positiv bewertet,
dann ist das der schönste Lohn.

Was sind deine größten Herausforderungen beim Erstellen von …?
Bahnhöfe, komplexe Gebäude. Egal wie viele Bilder man davon hat, ob man schon da war, es
gesehen hat, seltenst – eigentlich nie – hat man eine Bauzeichnung davon. Also muss man sich die
Struktur erarbeiteten und dabei auch gleichzeitig eine Technologie finden, dass man nicht Wochen
dafür braucht und es außerdem die Ressourcen im Simulator schont. Das ist bei jedem größeren
Objekt ein ganzer Komplex von Herausforderungen. Ein simpler Bahnsteigabgang kann da auch schon
sehr herausfordernd sein.
Wie viel Zeit vergeht bei dir von der Idee bis zur Umsetzung und zum Upload?
Im Schnitt muss ich bei größeren Projekten mit einer Arbeitszeit von 2 Jahren planen. S25 waren 20
Monate, Münster – Bremen 26 Monate, also immer so um die zwei Jahre herum. Das meint zwei
Jahre volle Arbeitszeit, 8 Stunden am Tag.

Ein Blick in die Zukunft: Arbeitest du aktuell an einem neuen Projekt? Gibt es etwas, das du uns
bereits im Voraus darüber erzählen möchtest?
Es ist eines in gedanklicher und auch technischer Vorbereitung. Da auch immer bei mir ein bisschen
Aberglaube im Spiel ist, werde ich jetzt noch nichts über unausgegorene Dinge erzählen. Wir wissen,
wie es ist: schreibe ich jetzt: es wird von A nach B gehen, kommen morgen die ersten Nachfragen,
wann es fertig ist.

Wie stehst du zum Thema TSW? Wird das dein neuer „Heimatbahnhof“ und/oder sind für TSW
schon Projekte geplant?
Ich finde den TSW spannend. Es ist der erste Bahnsimulator, bei dem die Landschaft nicht aussieht,
wie angestaubt, weil sie richtig gerendert wird. Ich beschäftige mich mit der UE4. Wenn ich da das
machen kann, was ich schon immer wollte, eine Stadt, eine Landschaft, eine Bahnstrecke bauen, die
so aussieht, wie die draußen, dann werde ich es sicher auch tun. Bis dahin muss ich noch einiges
lernen und sehen, ob und wie ich an einen Editor komme. Aber ob das ein Heimatbahnhof wird, wird
noch zu sehen sein.

 

Und hier die Communityfragen

Was motiviert dich, mit dem Train Simulator weiterzumachen?
Ich mag das, was ich tue, also werde ich es weiter tun, so lange es sich lohnt. Ein wichtiger Aspekt
dabei ist, dass ich einen Teil meines Lebensunterhalts davon bestreite, also muss man schon ein
bisschen danach sehen, ob etwas dabei herumkommt. Zusi ist auch ein toller Simulator, aber dafür
ein Add-on zu machen lohnt sich für mich nicht, also mache ich es nicht.

Was war dein Anfang im Train Simulator?
Berlin – Wittenberg. Erste Vorgespräche gab es bereits 2006 für ein Projekt Berlin – Leipzig mit dem
Vorgänger von DTG. Bis man aber wirklich was mit dem Simulator machen konnte, dauerte es bis
2011. Kurvenüberhöhung, 3D-Fahrleitung und andere inzwischen vertraute Eigenschaften des TS
kamen später. Das hat alles unheimlich langwierig gemacht. Alles was fertig war, musste noch einmal
angefasst werden. Deshalb sind es auch zwei Add-ons geworden (Berlin – Wittenberg, Berlin –
Leipzig). Das erinnert mich beim TSW an das Warten auf den Editor. Der wird kommen, da bin ich mir
sicher, aber wann, das weiß der wilde Schnucki.

Was hasst du am meisten am/im TS?
Den virtuellen Fahrdienstleiter, der anders denkt, als einer der deutschen Eisenbahn, KI-Züge bei Rot
losfahren lässt und andere bei grün ohne wirklich ersichtlichem Grund festhält. Der hat mich schon
wirklich viel Zeit gekostet und sicher auch etliche graue Haare beschert. Die ganze Logik ist fehlerhaft
und mitunter schwer bis gar nicht durchschaubar. Wenn ein Streckenbau fertig wird, gruselt es mich
immer vorm Szenariobau. Ich habe zwar viele Ideen, aber vieles lässt der böse Wicht mich einfach
nicht machen.

Was magst du am liebsten am/im TS?
Dass man damit Strecken bauen kann, auf denen Züge fahren. Dass man beim Bauen viele
Freiheitsgrade hat und es einen umfänglichen Editor/Blueprint-Editor gibt.

Was würdest du am TS verändern, wenn du könntest?
Ich wünschte mir, alle bekannten Bugs wären weg. Da wäre schon viel getan.

Was hat dich in die Welt der virtuellen Eisenbahn verschlagen?
Schon als kleines Kind war ich in Straßen- und Eisenbahnen vernarrt. Später wurde mir recht bald
klar, dass es bei der unerfüllten Liebe bliebe und meine berufliche Laufbahn in ganz andere
Richtungen geht, als zur Bahn. Insofern ist die virtuelle Bahn für mich eine schöne Alternative. Mein
erster Fahrsimulator als Kind war ein Sperrholzbrett mit Tastern, Lampen, einer Klingel und Schaltern
drauf. Damit fuhr ich im Kinderzimmer Straßenbahn. Die Streckenvisualisierung funktionierte
ausschließlich im Kopp. Das war eine ärmlichere 3D-Welt als Zusi2, aber es hat mir Spaß gemacht.

Was fasziniert dich so am TS?
Ich hatte auch einmal eine große Modeleisenbahn. Die Vorteile beim TS liegen auf mehreren
Händen: niemals Staub wegmachen müssen, niemals Schienenköpfe reinigen, kein teures Material
kaufen müssen. Bauen (fast) ohne räumliche Beschränkung. Münster – Bremen in dem von mir
bevorzugten Maßstab von 1:120 bräuchte eine Halle von 1475 m Länge und einiger Breite. Und: man
kommt – wenn man will – schon recht dicht an die richtige Eisenbahn heran.

Welche Strecke/Lok/… hättest du gerne als DLC (egal von welchem Anbieter) und warum?
Was kommt, das kommt. Ich reihe mich nicht in die lange Wunschzettelliste ein. Wenn ich eine
Strecke unbedingt haben möchte, dann baue ich sie mir. Wenn ich ein Fahrzeug dazu haben möchte,
frage ich einen, der es bauen kann. Insofern geht es mir besser, als der Gemeinschaft, die lauern
muss, was kommt. Manchmal geht es mir aber, wie allen anderen auch. Ich freue mich auf eine
angekündigte Sache, dann kommt sie raus und ich bin schwer enttäuscht über die hingehuschte
Ausführung. Daher habe ich mir das Wünschen abgewöhnt.

Würdest du dir einen fahrbaren 480 wünschen?
Wie vor, er müsste gut sein, einen ordentlichen Sound haben, der sicher nicht leicht zu machen ist.
Ich gehe nicht ein, wenn ich keinen habe.

Welche S-Bahnstrecke in Berlin findest du neben der S25 auch interessant bzw. würdest du gerne
im TS haben?
Meine Lieblings-S-Bahnstrecke ist unangefochten die S3 (Erkner – Friedrichstraße – …) Das war 22
Jahre lang meine Stammstrecke, zum Einkaufen, zum Sport, zum Hobby (ja damals hatte ich sowas
noch), zur Schule, zur Uni, zur Arbeit. In Erkner ist mein Verein zu Hause. Mein Traum ist es daher,
irgendwann noch einmal die Stadtbahn zu bauen, von Erkner bis Potsdam, mit modernen Mitteln
und Ressourcen, detaillierter als mein entsprechendes Werk von 2005 für MSTS. Allerdings weiß ich
auch von der Arbeit für den MSTS, wie viel Arbeit das würde. Da kann man nicht mit der Legokiste
ran, da sind unheimlich viele Solitärbauten. Schon für mich selbst: Ich kenn ja die ganzen Kästen links
und rechts der Gleise, also kann da nicht irgendwas hin. Und: Andere Strecken sind genauso schön,
S1, S2, S4, S75, S8. Jede hat so ihre Reize. Und an jeder hängen auch Erinnerungen von mir dran.
Irgendwann wird es schon noch irgendwas davon geben.

Was war für dich das schwierigste beim Bau der S25 bzw. was hat dir besonders Probleme bereitet?
Das schwierigste war ganz klar der Nordsüd-S-Bahn-Tunnel. Bereits bei der Lektüre des Buches
„Nordsüd-S-Bahn Berlin“ von Michael Braun (ISBN 978-3-89218-112-5) war klar, dass die ständigen
Radienwechsel und das Auf und Ab im Tunnel eine große Herausforderung würden. So haben die gut
5 Kilometer auch fast ein halbes Jahr gebraucht. Verschiedene Dinge wurden mehrfach gemacht. Als
die Beleuchtung fertig war, fuhr ich einen Tag später – eigentlich aus einem anderen Grund – nach
Berlin und sah, dass mein Tunnel zu hell ist und die Leuchtstoffröhren zu dick. Also alles nochmal
geändert. Am Nordbahnhof habe ich die Lichter viermal komplett neu gemacht, bis ich endlich den
Farbton raus hatte, der die Optik dieses Bahnhofes ausmacht.

Woher nimmst du deine Ideen?
Der Kopf ist ständig am Arbeiten, da fällt einem auch dieses oder jenes ein. Ich denke, man muss
Phantasie haben und mit der bin ich – meinen Eltern sein Dank – reich gesegnet.

Was verbindest du mit Berlin?
Hmm, da geboren, Sprache, Menschenschlag, Heimat, will nicht mehr weg von da. (Ja, Wandlitz ist ja
auch fast Berlin!)

Was ist dir persönlich das wichtigste beim Bau deiner Strecken? Hast du Unterstützung oder
arbeitest du allein?
Das meiste dazu steht schon weiter oben. Es muss stimmen, so gut wie möglich. Man muss es
wiedererkennen. Ich arbeite allein in meinem Büro und habe aber viele tolle Helfer. Zuallererst das
Signalteam (Mathias Gundlach vorneweg, ohne dieses Team ginge das Meiste nicht), aber auch
verschiedene Leute, die Fahrzeuge bauen, Skripte machen, Daten oder Informationen liefern, lesen,
gucken, testen. Ganz allein geht also gar nicht. Das würde auch gar keinen Spaß machen. An „Mitten
durch Berlin“ haben insgesamt 27 Leute und sieben Hersteller von Software mitgewirkt. Wichtigste
Mitstreiterin ist meine Frau. Sie hat einen kritischen und unverstellten Blick, weil sie KEIN Eisenbahnfan ist. Sie hat mich schon oft zum Knurren gebracht, weil ich fertig geglaubte Sachen noch
einmal aufbohren musste, aber sie hat tolle Ideen, wofür ich unheimlich dankbar bin.

Hast du vor noch was Weiteres aus Berlin/von der Berliner S-Bahn für den TS zu bauen oder eher
wieder wo anders in DE?
Das ist im Moment noch nicht wirklich entschieden. Erstmal gucken. Man legt sich ja auf zwei Jahre
fest. Wenn man nach einem Jahr feststellt: „Nö, macht keinen Spaß“, ist es Mist. Berlin hat für mich
den Vorteil, dass ich zwecks Bildern nicht weit reisen muss und datenquellentechnisch viel mehr da
ist, als anderenorts. Wenn ich an Münster – Bremen denke: Nördlich Diepholz war das Google-EarthBild richtig schlecht, man konnte kaum was erkennen. In Berlin habe ich ein gut aufgelöstes 3D-Bild
und andere Dienste zur Verfügung und kann in die Hinterhöfe gucken. Also mal schauen, was wird.
Und wenn es was wird: Es wird sicher nicht morgen oder übermorgen fertig.

Ich bedanke mich für die Fragen und für die Leute, die es geschafft haben, alles zu lesen. Ich hoffe,
ich konnte sie hinreichend gut beantworten, wünsche allen frohe Weihnachten und einen guten
Rutsch. Bleibt vor allem gesund!

 

Auch wir vom Rail-Sim.de News-Team bedanken uns von ganzem Herzen bei Bahnjan, dass er sich die Zeit genommen hat und uns Rede und Antwort gestanden ist. Vielen Dank auch an alle User, die Fragen eingereicht haben.

Wir schließen uns Bahnjan an: Frohe Weihnachten, eine besinnliche Zeit zwischen den Jahren, einen guten Rutsch und bleibt’s gesund!

 


 

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